Breda Beban – Still


23. September – 18. November 2001
Vernissage: 22. September, 17 Uhr


Das Bild eines drehenden Plattenspielers wechselt mit Aufnahmen von vorbeiziehenden Kriegsflugzeugen, auf der Tonspur folgt ein melancholisches Liebeslied von Chet Baker den donnernden Geräuschen der Flieger; Bild und Klang stimmen nur teilweise überein. Das durch die Musik evozierte private Gefühlsmoment wird mit den Dokumenten der öffentlichen Kriegsereignisse verwoben. Damit wird in Let's Call it Love (2000) ein für Breda Bebans Arbeit zentrales Motiv evoziert: die Dualität von Zärtlichkeit und Brutalität, von privat und öffentlich und von individueller und kollektiver Erfahrung.

Eine leerstehende Scheune, eine rostende Garage oder ein verlassener, von grünem Dickicht umzäunter Schuppen – Orte, denen nichts Prätentiöses anhaftet und die für uns ganz selbstverständlich zu Landschaftsbildern gehören. Die Bauten sind Zeichen menschlicher Zivilisation. Nutzung und Witterung haben ihre Spuren hinterlassen. Sie haben eine Geschichte, die zwar lesbar, aber dennoch unbekannt bleibt. Entstanden sind die Fotografien 1991 in Italien. Hier fand Breda Beban, die 1952 in Novi Sad, im ehemaligen Jugoslawien geboren wurde, nach dem Verlassen ihrer Heimat vorübergehend Zuflucht. In der ländlichen Toskana fand die Künstlerin Ruhe, wartete ab und begann, sich mit der neuen Situation, mit der neuen Umgebung auseinanderzusetzen. Die vorgefundenen Orte, die Breda Beban fotografisch festhielt, sind Fragmente ihrer Geschichte.

In einer aus Gruppen von vier Bildern bestehenden Fotoserie geht die Künstlerin jeweils nach dem selben Prinzip vor: Zuerst fokussiert die Kamera auf ein Zimmer mit einem benutzten Bett, das von vergangener Zweisamkeit, von Intimität zeugt. Im nächsten Bild lässt Breda Beban den Blick zum Fenster gleiten. Die Sicht weitet sich mehr und mehr, um dann in der vierten Aufnahme ein Detail des Strassenlebens heranzuholen. Dieser Abfolge von der Intimität zum öffentlichen Raum haftet eine gewisse Anonymität, manchmal gar eine grauenvolle Ruhe an. So ist eine Art Tagebuch entstanden, das die Stationen der Reise, welche Breda Bedan zusammen mit ihrem Lebenspartner gemacht hat, festhält.

Obwohl die Arbeiten Breda Bebans stark autobiografisch geprägt sind, drängt sich die Künstlerin mit ihren Erlebnissen und ihren innerlichen Wunden nicht auf. In subtiler Weise spiegelt sie Örtlichkeiten oder Stimmungen, die den Betrachterinnen und Betrachtern vielleicht unbekannt, aber nicht gänzlich fremd sind.

Breda Beban lebt seit 1991 in Grossbritannien. Mit der Ausstellung im Kunstmuseum Thun werden ihre Foto- und Videoarbeiten zum ersten Mal im deutschsprachigen Raum gezeigt.

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