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Davide Cascio und Peter Stämpfli: James Bond & Pin-Ups

Ausstellungsansicht Davide Cascio und Peter Stämpfli 2011, Foto: Dominique Uldry

Ausstellungsansicht Davide Cascio und Peter Stämpfli 2011, Foto: Dominique Uldry

Ausstellungsansicht Cascio und Peter Stämpfli 2011, Foto: Dominique Uldry

Ausstellungsansicht Davide Cascio und Peter Stämpfli 2011, Foto: Dominique Uldry

24. September – 20. November 2011

Kunstmuseum

Mit der Ausstellung Davide Cascio und Peter Stämpfli: James Bond & Pin-Ups verbindet das Kunstmuseum Thun zwei Künstler unterschiedlicher Generationen, die beide der Pop Art und dem Gedankengut der 1960er- und 1970er-Jahre auf eigene Weise verpflichtet sind. In verschiedenen Medien wie Malerei, Film, Collage und Installation setzen sie sich aus unterschiedlichen zeitlichen Perspektiven mit den Utopien, Obsessionen und Wünschen dieser Zeit auseinander.

Der Name der Ausstellung James Bond & Pin-Ups beflügelt die Fantasie: Er lässt an schnelle Schusswechsel, leidenschaftliche Liebesnächte, knackige Kurven oder an geschüttelte oder gerührte Getränke denken. In der Thuner Ausstellung geht es aber um viel mehr. Die beiden Schweizer Kunstschaffenden Peter Stämpfli (*1937 in Deisswil, BE) und Davide Cascio (*1976 in Lugano, TI) trennt mehr als eine ganze Generation. Es gibt aber ein Interesse, das sie miteinander verbindet: die Faszination am Gedankengut der (Konsum-)Gesellschaft der 1960er- und 1970er-Jahre. Die im Ausstellungstitel genannten Sinnbilder stehen stellvertretend für die Obsessionen, Wünsche und Sehnsüchte der Zeit; sie zitieren die Namen aber auch je ein Werk der Kunstschaffenden. Im Kunstmuseum Thun sind die zwei Künstler eingeladen, in einen Dialog zu treten. Peter Stämpfli ist einer der wenigen Schweizer Pop-Art-Künstler, der auch international wichtige Erfolge verbuchen konnte. Geben seine in den 1960er- und 1970er-Jahren entstandenen Werke Einblick in den Geist der Zeit, so ist der Blick auf die Ära im Schaffen des jüngeren Davide Cascio vielmehr retrospektiv und mit dem Hier und Jetzt verbunden

Peter Stämpfli
Vergleichbar mit den amerikanischen Vertretern der Pop Art greift Peter Stämpfli in seinen frühen Arbeiten der 1960er-Jahre inhaltlich auf die Welt des Konsums zurück. Seine grossformatigen, immer flächig gemalten Bilder zeigen Gegenstände aus der Sphäre des alltäglichen, mit ein klein wenig Genuss oder Komfort angereicherten modernen Lebens wie Zigaretten, Lavabos, Kühlschränke oder Flaschen. Die Motive hat er Anzeigen aus Zeitschriften entnommen; auf die Nennung der Marken der Produkte verzichtet er aber stets. Vor neutralem Hintergrund gemalt rückt der Künstler die Objekte ganz ins Zentrum der Aufmerksamkeit und lässt ihnen dadurch einen gewisse Überhöhung zukommen, die durch die kühle Farbgebung gleichzeitig relativiert wird.
Peter Stämpflis Faszination für das Sujet „Auto“ ist in seinem gesamten Werk evident. Seit 1969 tritt das Interesse an diesem Wunschobjekt der 1960er-Jahre in seinem Schaffen in radikaler Form zu Tage. Seine Aufmerksamkeit gilt von diesem Moment an ausschliesslich diesem Thema oder genauer gesagt, einem Aspekt davon – nämlich dem Autoreifen und den Spuren, die das Profil hinterlässt. Diesen untersucht er in seinen jüngeren Arbeiten aus so großer Nähe, dass der Bezug zum Gesamten entschwindet und sich das Objekt in einer geometrischen Abstraktion auflöst.

Davide Cascio
Für Davide Cascios künstlerisches Schaffen ist der Gedanke an ein alle Dinge miteinander verbindendes Referenzsystem von Bedeutung. Seine Werke sind von komplexen Verweisen geprägt, ohne dabei zwischen einem ,High‘ oder ,Low‘ zu unterscheiden. Vielschichtige Architektur-, Design- Literatur- und Gesellschaftsentwürfe mit utopischem Potenzial stellt er der Wunsch- und Konsumwelt gegenüber und erzeugt weit reichende Denkräume, die zuweilen sogar begehbar sind.
In Davide Cascios Collagen fällt vor allem der wiederkehrende Rückgriff auf Zeitschriften der 1960er- und 1970er-Jahre und auf die damalige Formensprache ins Auge. Fotografien verführerisch in die Kamera blickender Frauen verfremdet er mit Bildern von Edelsteinen, Blumen oder Federn, Aufnahmen moderner Interieurs mit futuristisch anmutenden Formen. Gerade in Kombination mit seinen installativen oder skulpturalen Objekten spiegeln sie das Bedürfnis nach einem möglichst harmonischen Sein und Lebensraum und stellen gleichzeitig die Frage danach, was von den vergangenen Utopien geblieben ist.

Zur Ausstellung erscheint im Verlag für moderne Kunst Nürnberg ein Katalog (d/e) mit zahlreichen Abbildungen und Beiträgen von Dr. Tobias Lander, Guido Magnaguagno und einer Einführung von Helen Hirsch.

Die Ausstellung und der Katalog werden unterstützt von der Ernst und Olga Gubler-Hablützel Stiftung.