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Karim Noureldin – Vibeke Tandberg

16. Juni – 27. August 2000

Kunstmuseum

Über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren schuf Karim Noureldin (*1967) unzählige kleine Holzobjekte, welche die verschlungenen Gänge von New Yorker Subway-Stationen nachbilden. Daraus entstand eine Sammlung von unzähligen beinahe abstrakten Figuren, die in Wirklichkeit eine Typologie der räumlichen Erinnerung sind. Die Arbeit steht gleichzeitig für ein Stück Biografie: Der Schweizer Künstler lebt schon einige Jahre in New York und seine Modelle stellen Versuche einer Aneignung dieser Stadt dar, deren Pulsadern die Subwaylinien sind. Auch andere Werke des Künstlers sind aus solch extensiven Forschungen erwachsen, so wie der Zeichnungsraum, den Karim Noureldin in Thun zeigen wird.
Mehr als 1'200 Einzelblätter «tapezieren» den Ausstellungsraum in einer scheinbar beiläufigen Anordnung. Karim Noureldin ist ein Raum-Künstler. Dies obwohl die Räume, die er bespielt, nur spärlich bestückt werden und dennoch alles andere als leer sind. Bekannt sind seine Installationen, in denen er riesige Zeichen-Papiere um die Räume führt und somit die architektonische Struktur verunklärt. Die Betrachterinnen und Betrachter stehen unvermittelt mitten in einer Zeichnung drin. Die Möglichkeiten des Mediums Zeichnung weiss Karim Noureldin auf frappierende Art zu erweitern indem er sie in andere Dimensionen führt. Gleichzeitig begibt er sich in seinem skulpturalen Schaffen in die reduzierende und essenzialisierende Situation des Modells.

Im Zentrum von Vibeke Tandbergs (*1967) Arbeit steht die Figur. Die norwegische Künstlerin benutzt dabei meist sich selber als Modell. So mimt sie im Rollenspiel den männlichen Kino-Helden Robert De Niro, der als cooler Taxidriver in Martin Scorseses gleichnamigen Film ziellos durch New York kurvt. Mit Beautiful persifliert die Künstlerin das tradierte weibliche Schönheitsideal der Blondine, wobei sie deren Bild so übersteigert inszeniert, dass die verführerische Pracht zur grotesken Maske wird. Die Künstlerin experimentiert auch mit der Verdoppelung der eigenen Person und fordert sich selber zu einem kleinen Box-Match auf. Vibeke Tandberg präsentiert Foto-, Film- wie auch Videoarbeiten, die Thun zum Teil zum ersten Mal zu sehen sind. Die Künstlerin ist vor allem durch ihre digital bearbeiteten Fotografien, in denen sie beispielsweise die Gesichter von zwei Personen ineinander verwebt, bekannt geworden. Mit ihren aktuellen Werken schafft sie ohne technischen Aufwand, mit wenigen einfachen Requisiten und simplen Posen, bestechend eindringliche Bilder. Sie spannt den Fächer der persönlichen Möglichkeiten auf, entwirft Bilder einer facettenreichen Identität. deren Gültigkeit weit über die eigene Person hinaus weist auf eine allgemeine kulturelle Befindlichkeit.