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labor 5: Ulrich Görlich / Meret Wandeler
Archiv des Ortes. Sammelstrategien für ein fotografisches Archiv zur Raumentwicklung

Ausstellungsansicht Labor 5 2011, Foto: David Aebi

10. Dezember – 22. Januar 2011

Projektraum Enter

Unsere Landschaften und Siedlungsgebiete befinden sich in einem konstanten Veränderungsprozess. Dörflich geprägte Gemeinden entwickeln sich zu reinen Agglomerationen von benachbarten Grossstädten, gänzlich unbesiedelte Flächen verschwinden mit der "urbanen Durchdringung" mehr und mehr. Wie dies genau vor sich gehen kann zeigen Meret Wandeler und Ulrich Görlich in ihrem vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützten Forschungsprojekt Archiv des Ortes. Sammelstrategien für ein fotografisches Archiv zur Raumentwicklung anhand von zwei Kulturräumen – der an Zürich angrenzenden Gemeinde Schlieren und dem Gebiet zwischen St. Moritz und Maloja im Oberengadin – exemplarisch auf. Als Projektpartner konnten sie dafür die Graphische Sammlung der Schweizerischen Nationalbibliothek gewinnen.

Kernpunkt von Archiv des Ortes bildet eine Auseinandersetzung mit der Frage, was für Bildtypen für ein Archiv zur Raumentwicklung relevant und interessant sind sowie die Recherche nach entsprechenden Fotografien. Während eineinhalb Jahren haben die beiden Künstler rund 4000 Fotografien, die seit dem zweiten Weltkrieg in den beiden Regionen entstanden sind, gesammelt, analysiert und geordnet und schliesslich in digitaler Form auf ihre Webseite www.archiv-des-ortes.ch gestellt. Die Fotografien entwerfen dabei einen multiperspektivischen Blick und spannen einen weiten Bogen von bisher kaum zugänglichen dokumentarischen Aufnahmen von Baufirmen und Planungsbüros, Fotografien aus lokalen Kulturarchiven bis hin zu eher idyllischen Bildern von Postkartenverlagen oder Aufnahmen von Privaten. In anschaulicher Weise erzählen die entstandenen Fotosammlungen zu Schlieren und zum Oberengadin auf diese Weise von den verschiedenen Möglichkeiten der Betrachtung eines Ortes.

Die Fülle der zusammengetragenen Fotografien macht die Veränderungen der Kulturräume in Folge der Zersiedelung oder des Ausbaus des Verkehrsnetzes sichtbar und illustriert beispielhaft den landschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel. Dabei sind es insbesondere die vielen kleinen, in den Bildern zu entdeckenden Details, die komplexe zeitliche Prägungen zu vermitteln vermögen und in ihrer Vielzahl ein atmosphärisches Bild der Schweiz heute, vor 30 wie auch vor 60 Jahren zeichnen.

Mit der Präsentation des Forschungsprojektes von Meret Wandeler und Ulrich Görlich endet die Ausstellungsreihe labor, in welcher während eines Jahres insgesamt fünf verschiedene Projekte künstlerischer Forschung vorgestellt wurden. Die Reihe ist eine Kooperation zwischen dem Institut für Gegenwartskunst IFCAR der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) und dem Kunstmuseum Thun.