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Loredana Sperini

Loredana Sperini

3. Juli – 17. August 2003

Projektraum Enter

Loredana Sperini arbeitet mit Nadel und Faden. Auf gestärkte blütenweisse Stoffe wie Servietten oder Kissenbezüge stickt sie befremdende Bilder. Ihr Schaffen hat nichts mit braver Frauen-Handarbeit zu tun und läuft den Vorstellungen zuwider, die mit ihrem Arbeitsmedium verknüpft sind. Beistelltischchen dienen als Präsentationsfläche für ihre bestickten Servietten, Tücher oder Kissenbezüge. Schneeweiss, gestärkt und gebügelt liegen sie dort, scheinbar harmlos und doch erschreckend bei genauerer Betrachtung.
Die mit schwarzem Faden gestickten figürlichen Abbildungen sind das Ergebnis eines längeren Prozesses. Auf der Grundlage von eigenen Foto-Porträts entstehen Zeichnungen, die die Künstlerin zu Stickbildern weiterentwickelt. Das was während dem zweimaligen Mediumwechsels geschieht, ist nur erahnbar. Das Gestikulieren einer Person wird während des Fotografierens eingefroren und verliert somit an Bedeutung. Für Loredana Sperini ist es wichtig, über den Zustand des Fotos hinauszugehen. Die Materialverschiebung zur Stickerei gibt ihr die Möglichkeit, diese Gesten wieder freizulassen.

In den schemenhaft aus dem Weiss des Stoffes auftauchenden Bildern zeigen sich ästhetische und atmosphärische Störungen, welche die Portraits spannungsvoll aufladen. Etwas platzt oder wird ausgespuckt. Ektoplasma quillt aus den Gesichtern, es könnten auch Erbrochenes, Blut, magnetische Strahlungen oder sonstige unangenehme bis übersinnliche auratische Kräfte und Auflösungen sein.

Dieser kraftvollen Energie steht die langsame und Disziplin erfordernde reale Handarbeit des Stickens gegenüber, was für einen spannungsvollen Ausgleich in Sperinis Arbeit insgesamt sorgt.