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Matteo Terzaghi & Marco Zürcher

Ausstellungsansicht Terzahi & Zürcher 2005

10. Juli – 18. September 2005

Projektraum Enter

Die beiden jungen Tessiner Künstler haben ein besonderes Faible für Bücher und Illustrationen, was nicht zuletzt mit ihren beruflichen Erfahrungen in der visuellen Gestaltung und im Verlagswesen zusammenhängen mag. Ihr Bild- und Textmaterial schöpfen sie aus Zeitschriften, Familienalben, Literatur oder Sachbüchern. Die gefundenen Buchstaben, Wörter, Sätze, Abbildungen und Fotografien fügen sie neu zusammen, indem sie verbale und bildliche Elemente übereinanderlegen, semantische Ebenen vermischen, neue Assoziationen generieren und so überraschende Beziehungen herstellen. Dabei scheinen sie in ihrem Sammeln von einer beinahe kindlichen Neugier auf die Welt geleitet.

Für die Projektion Cinema per principianti (Kino für Anfänger) haben sie Bilder aus Büchern zusammengetragen, wie sie traditionell in den meisten Haushalten zu finden sind. Ein Teil der benutzten Bände sind auf einem Büchertisch ausgebreitet, wobei die Auslegeordnung und die Leselampen an die häusliche Situation am Schreibtisch erinnern. Es sind populäre Wissenschaftsbücher, Kochbücher, Anleitungen für den Haushalt, für die Körperertüchtigung oder zum Basteln. Auch eine Fotoromanza darf nicht fehlen. Die Auslegeordnung hat eine gewisse Patina, stammen die Schaustücke doch aus den sechziger Jahren, und einige reichen zurück bis ins frühe 20. Jahrhundert.
Die einzelnen Bilder der Videoprojektion fügen sich teils wie bei einem Daumenkino zu einem Bewegungsablauf zusammen, andere stehen über formale oder inhaltliche Parallelen zueinander in Bezug. Durch die Projektion erhält die Bildfolge eine erzählerische Dimension, die zum Teil durch die Tonspur unterstützt, zum Teil aber auch ironisch überlagert wird. Die Bilder reihen sich assoziativ aneinander, ohne eine durchgehende Erzählfolge aufzubauen. Das Aufeinandertreffen von verschiedenen Motiven, Darstellungsmodi und Lebensbereichen erzeugt poetische Verbindungen und unerwartete Ironie.

Der Werktitel scheint sich einerseits auf den Inhalt der Bilder und ihre Herkunft zu beziehen: Den meisten sieht man ihre Herkunft aus dem praktischen oder didaktischen Bereich an. Sie geben ganz grundlegende Handlungsanweisungen und alltägliche Lebenshilfen. Rührend ist der sich manifestierende Glaube, dass alle alltäglichen Phänomene von Grund auf erklärungsbedürftig sind. Gleichzeitig entspricht die Art der Projektion in Einzelbildern dem Kino in den Kinderschuhen, als die Bilder noch nicht wirklich laufen konnten.

Biografie
Matteo Terzaghi (1970) studierte Philosophie an der Universität Genf und schrieb seine Lizentiatsarbeit zum Thema Sprachen der Kunst. Marco Zürcher (1969) besuchte die Kunstgewerbeschule in Lugano und arbeitete einige Jahre in renommierten Grafikateliers in London und New York. Seit 1995 realisieren die beiden regelmässig gemeinsame Kunstprojekte und veröffentlichten bisher zwei Kinderbücher. Sie gewannen zweimal den Eidgenössischen Preis für Kunst (2003 und 2005).