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NB: Anna Amadio / Vittorio Santoro

Ausstellungsansicht NB: Anna Amadio / Vittorio Santoro 2006, Foto: David Aebi

Ausstellungsansicht NB: Anna Amadio / Vittorio Santoro 2006, Foto: David Aebi

Ausstellungsansicht NB: Anna Amadio / Vittorio Santoro 2006, Foto: David Aebi

Ausstellungsansicht NB: Anna Amadio / Vittorio Santoro 2006, Foto: David Aebi

Ausstellungsansicht NB: Anna Amadio / Vittorio Santoro 2006, Foto: David Aebi

5. Februar – 19. März 2006

Kunstmuseum

Das Kürzel NB bezeichnet die gleichnamige Ausstellungsreihe des Bundesamtes für Kultur, die 1997 aus den beiden eidgenössischen Atelierstipendien in New York und Berlin hervorgegangen ist. Bevor diese renommierten Stipendien im letzten Jahr den Sparmassnahmen des Bundes zum Opfer fallen mussten, konnten 2005 ein letztes Mal Anna Amadio (*1963) und Vittorio Santoro (*1962) davon profitieren. Für ein Jahr lebten und arbeiteten sie in New York respektive Berlin. Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz präsentieren die beiden nun neue Arbeiten im Kunstmuseum Thun.

Anna Amadio zeigt ihre neusten grossformatigen Zeichnungen in der Frottagetechnik und entwickelte speziell für die Räumlichkeiten des Museums eine dreidimensionale Arbeit. Bekannt geworden ist die in Basel und Köln lebende Künstlerin mit ihren Zeichnungen sowie mit raumfüllenden Installationen, anfangs als aufblasbare, transparente Objekte konzipiert. Heute arbeitet sie vor allem mit der Vakuumtechnik, saugt die Luft aus überdimensionierten Folienkörpern, so dass sich die Struktur der darin befindlichen Elemente abzeichnet.

Anna Amadio greift sowohl in den Zeichnungen wie auch in ihrer Installation architektonische Strukturen der Grossstadt auf. Für die in Thun präsentierten Arbeiten liess sich die Künstlerin in New York von Häuserfassaden, Grossraumbüros und dem Treiben in den Strassen inspirieren. In den farbigen Linien ihrer Zeichnungen On the Two Corners (2005) sind Figuren zu entdecken, Häuserzeilen und Strassenecken. Mit ihrer Vakuumskulptur Lips Inc. (2006) entwickelt Anna Amadio ausgehend von Arbeitskojen eine Stadtlandschaft. Aus dem standardisierten Büromobiliar entsteht unter den vakuumisierten Plastikfolien ein architektonischer Raum zwischen genormten Häuserblöcken und individueller Prägung.

Vittorio Santoro fasst unter dem Titel Everything‘s Not Lost verschiedene konzeptionelle Arbeiten zusammen, die die menschliche Empfindungsfähigkeit thematisieren. Losgelöst von autobiografischen Bezügen untersucht er Strukturen der Wahrnehmung, der Deutung, der Zuschreibung. Im Kunstmuseum Thun zeigt er seine neue Arbeit Moving Towards You, Moving Around You, Moving Against You, Moving Away From You (2005), ein filmisches Werk, das durch drei variierende Schlüsse irritiert. Vittorio Santoros Rauminstallationen und Papierarbeiten verweisen auf Begriffe wie Neugier, Instinkt, Verantwortung, Zweifel, Macht und Melancholie. Das Publikum wird explizit herausgefordert, wenn eine Neonschrift fragt „What proves you are here?“ und eine Stimme im selben Raum meint „What proves you are not here?“ (AN/ÄSTHESIE; 2005), oder wenn in der Installation Swinging Doors (2006) unverhofft ein Gartentürchen auf die Bewegungen der Besucher reagiert.