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Pablo Müller

Ausstellungsansicht Pablo Müller 2007

18. Oktober – 18. November 2007

Projektraum Enter

Das Kunstmuseum Thun zeigt im Projektraum enter eine installative Arbeit von Pablo Müller (*1979), die für die Ausstellung im Thunerhof entstanden ist. Seit Beginn seiner künstlerischen Ausbildung greift der Künstler immer wieder Themen auf, die um die Frage nach der gesellschaftlichen Relevanz von Kunst kreisen. Pablo Müller arbeitet immer ortsbezogen. So schrieb er im Rahmen seiner gerade abgeschlossenen Diplomarbeit an der Hochschule der Künste in Zürich (HGKZ) für die politische Zeitung antidot acht Texte, in denen er sich mit Fragen und Möglichkeiten der Verbindung von Kunst und Politik beschäftigte. Die Artikel wurden in der Zeitung publiziert und gleichzeitig in einer Ausstellung gezeigt.

Auch in der in Thun ausgestellten Arbeit wählte Pablo Müller ein Thema mit Bezug zum Ausstellungsort. Ausgangspunkt bildeten zwei Schwarzweissfotografien des Thuner Fotografen Jean Moeglé (1853-1938), die als Fotokopien in einer Dokumentation über den Thunerhof dem Künstler ins Auge stachen. Die Abzüge aus der Zeit um 1906 zeigen einmal einen Blick auf die ehemals offene Veranda des Thunerhofs, wo sich Feriengäste in feiner Garderobe für eine Tasse Tee oder Kaffee niedergelassen haben. Auf der zweiten Fotografie richtete der Fotograf seinen Apparat auf den zur Strassenseite ausgerichteten Haupteingang des Grand Hotels. Auffällig sind in beiden Bildern die farbigen Angestellten, die in „adretter“ Uniform oder in vermeintlich nordafrikanischer Kleidung die Gäste bewirten oder am Eingang empfangen.

Auf verschiedenen Ebenen nähert sich Pablo Müller den Fotografien und all den Assoziationen, die durch sie geweckt werden. Einmal ist es ein Film, bestehend aus vier Interviews, die der Künstler mit Veit Arlt vom Zentrum für Afrikastudien Basel, mit Rea Brändle, freiberufliche Autorin und Journalistin aus Zürich, dem Berner Denkmalpfleger Roland Flückiger sowie mit Jon Keller, Stadtarchivar in Thun, führte. Der Thunerhof wird hier als Grand Hotel mit seinem Ambiente des Fremden, Exotischen und Orientalischen thematisiert. Pablo Müller interessiert sich sowohl für den Betrieb des Grand Hotels als auch für die Fotografie als Inszenierung zu Werbezwecken. Aus zeitgenössischer Perspektive hinterfragt er die Schaffung eines Ambientes durch Konnotationen, die mit dem schwarzen Diener verbunden sind. Besonders die Nostalgie, die wir als BetrachterInnen im ersten Moment mit den historischen Schwarzweissfotografien zu verbinden versucht sind, verliert unter den kritischen Fragen zunehmend ihr Flair.

Als weitere Ebene, Reibungsfläche und Informationsmaterial steht ein Fundus an Literatur zur Verfügung, den Pablo Müller als Teil der Rauminstallation den BesucherInnen anbietet. Jedes Buch spielt dabei eine eigene Rolle und fokussiert auf einen Aspekt des Themas: die Geschichte Thuns und damit auch des Thunerhofs vor hundert Jahren in Mein liebes Thun (worin die Fotografien von Jean Moeglé abgedruckt sind), die Sicht eines Bediensteten wird in Franz Kafkas Der Verschollene aufgegriffen, das Grand Hotel als Ort der Literatur in Grand Hotel, der Umgang mit Exotischem in Exotische Welten, europäische Phantasien. In der Beschäftigung mit dem Lektüreangebot soll schlussendlich ein Gesamtbild entstehen. Die BesucherInnen sind eingeladen, zu blättern und sich einzulesen.

Biografie
Pablo Müller ist 1979 in Baar (ZG) geboren und hat an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich (HGKZ) studiert.