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Rébecca Sauvin

Ausstellungsansicht Rébecca Sauvin 2000, Foto: Christian Helmle

6. Juni – 3. September 2000

Projektraum Enter

Die Künstlerin Rébecca Sauvin (*1975) ist Absolventin der École Supérieure d'Art Visuel de Genéve und diesjährige Preisträgerin des Kiefer-Hablitzel-Stipendiums. Ihr Schaffen artikuliert sich in verschiedensten künstlerischen Medien wie Zeichnung, Fotografie und Video. Die Genfer Künstlerin arbeitet mit körperlichen Erfahrungen in all ihren Ausdrucksmöglichkeiten und lotet mit der Darstellung von künstlichen Zuständen Bedeutungsebenen des Physischen aus. In ihrer Ausstellung im Kunstmuseum Thun zeigt Rébecca Sauvin eine figürliche Installation: Ein weiblicher Körper ruht auf dem Gras, und die Erde nimmt ihn teilweise in sich auf. Die Betrachtenden sind mit einer ans Surreale grenzenden Szenerie konfrontiert, die beunruhigende Gefühle evozieren kann.

Ein Gespräch mit Rébecca Sauvin:

Eine weibliche Figur liegt im Gras. Einerseits wird eine Art Geborgenheit vermittelt; andererseits birgt die scheinbare Harmonie auch eine Gefahr in sich: Die Figur wird langsam von der Erde aufgeschlungen. Der Kopf ist bereits nicht mehr sichtbar.

Rébecca Sauvin (RS): Der Kopf ist das Zentrum des ganzen Mechanismus. In diesem Falle ist der Körper vom Kopf auf eine Art entlastet und wirkt entspannt – wird jedoch durch diese Darstellung in einen unruhigen und synthetischen Zustand versetzt. (Es macht einem Angst, den Kopf zu verlieren.)

Der Körper wirkt für mich leblos.

RS: Einerseits kann man diese Darstellung sicher mit einer traditionellen Vorstellung von Tod in Verbindung bringen. Für mich stellt sich diese Frage jedoch nicht so direkt. Ich sehe es als Ruhezustand des Intellektes oder der Intellekt, der auf einer anderen Ebene funktioniert. Folglich werden die Betrachter zum Denken angeregt. Dazu kommt, dass der Kopf und das Gesicht wichtige Erkennungsmerkmale des Menschen sind. Die Identität bleibt uns hier verborgen.

Die in Thun gezeigte Installation ist zwar real, greifbar und erfährt durch die Materialien wie Erde und Rasen einen grossen Wert an Authentizität. Dennoch grenzt sie auch an ein Traumbild – eine fast surreale Erfahrung, jenseits von Wirklichkeit. Beschäftigst du dich mit Träumen, Visionen?

RS: Ich bin sehr aufmerksam auf Bilder, die im Kopf entstehen, ob man sie nun Visionen oder Träume nennt. Es sind oft Ausgangspunkte meiner Arbeit. Diese Anfangsbilder sind sehr komplex und ich versuche, das Essenzielle zu erfassen und um es auf einfache Art zu übersetzen. In diesem Fall spielt das Medium für mich eine sekundäre Rolle, die von der Aussage diktiert wird.

In zahlreichen Arbeiten beschäftigst du dich mit Körperlichkeit. So beispielsweise im Video bicorps (1999), wo du dich quasi verdoppelt hast. Der Hals bildet die Nahtstelle der beiden verwachsenen Körper. Beiden Figuren fehlen die Köpfe. Beinahe verstümmelt wirken diese, auf kopflose Körperlichkeit reduzierten Figuren.

RS: Vielleicht wäre es einfacher, sich vorzustellen, zwei Köpfe zu haben. Im Video bicorps bleibt der Kopf aus. Die zwei Körper ernähren sich voneinander und vervollständigen sich dabei auch, obwohl sie sich gerne voneinander lösen würden. Dem gegenüber hält der Kopf die absolute Kontrolle über den Körper und ist in dieser Darstellung umso mehr spürbar.