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Saskia Edens

Ausstellungsansicht Saskia Edens 2008

9. Februar – 30. März 2008

Projektraum Enter

Saskia Edens Installation "Portrait anachronique" entstand aus Anlass eines Wettbewerbs des Staatsarchivs Basel-Stadt, den der Kunstkredit Basel-Stadt und das Staatsarchiv 2006 gemeinsam ausgeschrieben hatten. Die Installation wurde als Siegerprojekt ausgewählt. Als Dauerinstallation ist die Installation im Staatsarchiv zu sehen. Die inhaltliche Vorgabe des Wettbewerbs Kunst im Archiv forderte von den TeilnehmerInnen eine „gegenwartsbezogene künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema der historischen Fotografie“.

Ausgangspunkt für Saskia Edens Arbeit war denn auch eine Atelierfotografie aus der Jahrhundertwende des Staatsarchivs vom Fotografen und Maler Albert Höflinger (1855-1936) – er war der Sohn von Jakob Höflinger, bei dem Jean Moeglé seine Lehrjahre verbrachte. In Rückenansicht präsentiert sich Höflinger in seinem salonartigen Atelier neben und zwischen Porträtgemälden, Pflanzen, Teppichen, Nippes und seinem Hund. Was auf den ersten Blick als gewöhnliche Fotografie daherkommt, wird bei genauerem Hinsehen als bewusste Inszenierung deutlich. Eines der auf der Fotografie abgelichteten Porträts entfernte Saskia Edens und projiziert darauf ein Videoporträt. Zu sehen ist das Halbporträt einer Frau mit auffälligen Ohrringen, die aus Eis gemacht sind. Im Laufe der Projektion schmilzt das Eis und hinterlässt seine Spuren auf der Kleidung der Porträtierten. Der eingefrorene Moment der historischen Fotografie wird partiell zum Leben erweckt. Bewegung findet Einlass in die statische Welt des fotografischen Mediums. Gleichzeitig sind auf verschiedenen Ebenen die unterschiedlichen Medien der bildenden Kunst vertreten: die Fotografie, die Malerei, die von der Fotografie festgehalten wurde und schliesslich die neuen Medien in Form der Videoprojektion. Die Porträtkunst wird damit über die verschiedenen historischen Momente bis in die Gegenwart weitergeführt.

Daneben entsteht ein Essay über Zeit und Vergänglichkeit. In langsamer, aber stetiger Bewegung wechselt das Eis seinen Aggregatzustand und wird sichtbar in der Verfärbung der Kleidung. Die Videokunst nutzt dabei Möglichkeit Bewegung darzustellen, die die Fotografie nicht hat.

Die zweite Arbeit, neu für die Ausstellung entstanden, führt dasselbe Thema näher zur Malerei. Ein Gemälde der École de Fontainebleau inszeniert Saskia Edens neu in "Portrait de femme". Das Gemälde zeigt eine vielfach geschmückte Frau bei der Toilette mit einer sonderbaren Geste der Hände. Der Schmuck in der Videoprojektion ist wiederum aus Eis und schmilzt über die Dauer von ca. 40 Minuten. Die Arbeit kann auch als Performance angesehen werden, bei der die Protagonistin versucht, so lange als möglich still zu verharren.

Saskia Edens ist 1975 in Genf geboren. Sie lebt und arbeitet in Basel.