Menu

Stefan Burger

Ausstellungsansicht Stefan Burger 2007

Ausstellungsansicht Stefan Burger 2007

Ausstellungsansicht Stefan Burger 2007

7. September – 14. Oktober 2007

Projektraum Enter

Fragile und poetische, wie auch von Witz und Ironie geprägte Fotografien, Installationen bis hin zu performativen Inszenierungen stehen im Zentrum von Stefan Burgers Schaffen. Fotografien bilden immer mal wieder den Ausgangspunkt seiner Arbeiten. Am Ende des künstlerischen Prozesses sind sie oftmals kaum mehr sichtbar und über Umwege zu Videos, skulpturalen Arbeiten oder Installationen weiterentwickelt. Das Medium Fotografie wird bis an die Grenzen seiner Möglichkeiten und darüber hinaus ausgelotet.

Im Mittelpunkt von Stefan Burgers Werken stehen Fragen nach den Produktions- und Präsentationsbedingungen von Kunst. Selbstreflexiv analysiert er seine Rolle als Künstler im Entstehungsprozess der Arbeiten, thematisiert das Verhältnis von Produzent und Rezipient oder schafft kritische Bezüge zur Kunstgeschichte. Er untersucht damit die Gesetze und Normen künstlerischer Produktion bis hin zu Abnormitäten und Irrwegen, deutet in ihre Richtung und hinterfragt sie.

Für Zusammengerückte Generalversammlung von Diversem im Kontext (Thuner Deutung), 2007, hat Stefan Burger ein Mitglied der Bogenschützen Thun eingeladen, eine um 90° gegen den Uhrzeigersinn gekippte Fotografie in einem performativen Akt als Zielscheibe zu interpretieren. Das Abgebildete verliert damit seine motivische Bedeutung, das fotografische Bild seine Funktion als Kunstwerk. Die Farben der Gläser werden zu den konzentrischen Kreisen einer Zielscheibe. Das tangentiale Aneinander-vorbei-Schrammen zweier Systeme, das der Bogenschützen und das der Kunst, wird zur flüchtigen und seltenen Begegnung.

Mit Reptile Den, 2007, greift Stefan Burger das Themenfeld von Produktions- und Präsentationsbedingungen von Kunst auf. Irritierenderweise steckt hier scheinbar ein Stein in einem Fensterflügel fest. Das Fenster ist zudem nicht wie üblich an der Grenze zwischen Innen und Aussen, sondern im Innenraum angebracht. Grundsätzliche Fragen von Innen und Aussen geraten durcheinander. Die ursprüngliche Funktion des Steins erläutert ein an der Wand befestigter Teil der Verpackung eines Terrariumproduktes: ein „Terrarium Tunnel System“. Eine Hälfte dieses künstlichen Steins kann am Glas innerhalb eines Terrariums platziert werden und dient als Höhle für das jeweilige Reptil. Die zweite Hälfte des Steins wird mithilfe von Magneten an der Aussenseite des Terrariums angebracht und schliesst die Höhle ab, kann jedoch entfernt werden, um das Reptil zu beobachten. Das Terrarium selbst wird zum Inbegriff des Beobachtens, der künstliche Stein zu einem Hybrid aus Falle und voyeuristischer Prothese. Die Arbeit Reptile Den ist die Beschreibung des mechanischen Blicks und dem Trivialen in der Beziehung von Erwartetem und Sich-zu-Erfüllendem. Betrachten und Beobachten – Grundlagen des Kunstbetriebs – sind damit auf eine humorvolle und kritische Weise aufgegriffen.

Ein Floss, provisorisch zusammengebaut aus ein paar Fässern und Paletten, trägt einen Berg Betonklötze und eine Fahne mit sich. Auf der Fahne ist zu lesen: „fluctuat nec mergitur (Von den Wogen geschüttelt, wird es doch nicht untergehn!)“ – das Motto des Wappens der Stadt Paris, das ein Schiff in schwerem Seegang zeigt. Die Arbeit gehört zu einer ganzen Reihe von Werken von Stefan Burger, in denen er sich mit der Versenkbarkeit befasst. Ausgang dieser Beschäftigung war die Geschichte des Kunstdiebes Stefan Breitwieser, dessen Mutter nach der Verhaftung ihres Sohnes zahlreiche gestohlene Kunstwerke im Rhein-Rhone-Kanal versenkt hat. Der Text der Fahne wiederum spielt auf den prekären Zustand eines bevorstehenden Untergangs oder Scheiterns an, gleichzeitig ist er aber geprägt von einem optimistischen Blick in die Zukunft.


Stefan Burger ist 1977 in Müllheim (Baden / D) geboren und studierte bis 2003 an der HGKZ in Zürich. Er lebt und arbeitet in Zürich und Freiburg i. Brsg.


Das Kunstmuseum Thun und der Künstler danken den Bogenschützen Thun für die freundliche Mitarbeit.